Verfasst von: riderofthenorth | Samstag, 21 Juni 2008

Fazit

Um es gleich vorweg zu nehmen, dieser Eintrag wird der letzte in meinem Blog sein, wie man auch schon am Titel erkennt. Es gibt viele, verschiedene Gründe für diese Entscheidung. Einerseits finde ich einfach nicht genügend Zeit und Elan hier regelmäßig etwas zu schreiben und andererseits verliert der Blog langsam seinen Wert, da sich hier der Alltag eingestellt hat. Es passiert einfach nicht mehr sooo viel Neues und Aufregendes. Ich gehe jeden Tag zur Arbeit, gehe meinem Hobby nach oder unternehme etwas mit Freunden. Ein anderer Grund ist, dass ich den Blog als Kommunikationsmethode mit der „Heimat“ nicht mehr wirklich mag, sondern jetzt eher mehr zur Email oder zum Telefon greifen werde. Nach einem Gespräch mit einem deutschen Freund hier, ist mir nämlich eine Sache bewusst geworden, die ich in Zukunft vermeiden will. Als Auswanderer steht man vor dem Dilemma, dass die Kommunikation doch sehr einseitig ist, weil dauernd von einem erwartet wird, dass man vom spannenden Leben in der Ferne berichtet. Zwei Dinge sind daran faul. Einerseits ist das Leben hier, gerade wenn der Alltag sich eingestellt hat, fast genauso wie in Deutschland und andererseits, wird dabei nicht berücksichtig, dass man ja als Auswanderer genauso gerne hören will, was denn so in der Heimat passiert. Für mich ist es genauso interessant zu hören, was bei euch so los ist und wie das Leben so weitergeht. So denke ich jetzt, dass Mails und Telefonate dafür einfach besser geeignet sind. Auch habe ich bei diesem Blog hier nicht die Rückmeldung, wer denn wirklich schon was erfahren und gelesen hat von mir. Es bleibt irgendwie alles total anonym.
Da der Titel ja schon so heißt, will ich nun auch noch ein kleines Fazit abgeben zu meinen ersten 9 Monaten hier in Norwegen. Ganz allgemein ist es super gelaufen. Viel besser als ich vorher gedacht habe. Ich habe einen tollen Job gefunden, neue interessante Menschen kennen gelernt, Freundschaften entwickeln sich und zusätzlich wohne ich noch in einer der schönsten Städte, die ich je gesehen habe. Das mir diese Stadt und mein Leben hier dann auch noch die Möglichkeit geschenkt hat mich neu zu verlieben, macht mich einfach durch und durch glücklich. Es ist schon etwas ganz anderes dieses neue Leben hier mit Marie zu teilen, als alles alleine zu erleben. Im September läuft ja erstmal mein befristeter Vertrag hier aus, aber ich habe ein gutes Gefühl, dass ich eine Verlängerung bekomme. So habe ich nun auch den Plan erstmal hier zu bleiben und so nach fünf Jahren noch mal neu zu entscheiden. Aber man kann ja eh nie wissen was noch so alles passiert. Persönlich hat mich mein Norwegenabenteuer auch weiter gebracht. Es ist eine spannende Erfahrung, macht viel Mut es „gewagt“ zu haben, macht mich selbstbewusster und überzeugter in meine Fähigkeiten. Ich hab mich viel reflektiert, was nicht ausbleibt, wenn man alleine in die Fremde zieht.
Auch wenn mein Abenteuer viel Positives bedeutet hat, so gibt es aber auch ein paar negative Seiten. Z. B. gibt es doch einen klaren Kulturunterschied zwischen Deutschen und Norwegern gerade in der zwischenmenschlichen Art. Bekanntschaft, Freundschaft und Liebe sehen hier anders aus, was schon schwierig ist und worauf ich mich noch einstellen muss. Wer weg geht, lässt immer Vieles zurück und verliert dadurch auch Einiges. Leider musste ich auch erleben, dass dieses für Freundschaften zutrifft. Irgendwie filtert die Distanz. Gott sei Dank gibt es dann aber auch noch die „wahren“ Freunde, wo die Vertrautheit erhalten bleibt. Und natürlich ist es auch schön zu sehen, dass man immer wieder neue Menschen kennen lernt, wo Vertrautheit wachsen kann.
Oh je, ist ja nun ein sehr nachdenklicher letzter Eintrag geworden, aber doch auch irgendwie passend. Seid nicht traurig, dass es diesen Blog nicht mehr geben wird. Schreibt mir lieber oder ruft mich an! Ich freu mich drauf!


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